„Wissenschaftliche Gepflogenheiten“

Elitäre wissenschaftliche Gepflogenheiten

Teil VI-Anhang: Nur etwas fachlich – dafür aber „höchstpersönlich“ !

Zur Erinnerung: Prof. Meyr hatte seinem obskuren Schreiben an Popkens Arbeitgeber (Teil IV, 8. November) eine fachliche Gegendarstellung (Rebuttal) beigefügt. Er war von seiner Abhandlung offenbar so sehr überzeugt, dass er dieselben Ausführungen auch in das Manuskript seines Buches „Synchronization in Digital Communications“, Wiley-Interscience, Kapitel 9, einarbeitete.

Das Antwortschreiben von Popkens Arbeitgeber (Teil IV, 8. Dezember) enthielt zunächst keine Erwiderung fachlichen Inhalts. Die fachliche Gegendarstellung ging an Prof. Meyr erst vier Monate später am 3. April (Teil VI) – (bzgl. der Gründe für diese Verzögerung siehe Teil VI, 6. März). Prof. Meyr erhielt diese inhaltliche Gegendarstellung erst zu einem Zeitpunkt, als es ihm nicht mehr möglich war, mit Korrekturen am Manuskript noch Einfluss zu nehmen auf sein eigenes Buch (das zuvor am 21. März erschienen war).

Wir können also in der offenen Fachliteratur nachlesen, wie Prof. Meyr sich im Kapitel 9 seines Buches bemüht aufzuzeigen, die sogenannte Fokker-Planck (F-P) Gleichung sei nicht nur auf Diffusionsprozesse (continuous Markov Processes) sondern generell auf Markov Prozesse anwendbar. Ein solches Resultat wäre ganz außerordentlich. Offenbar vollkommen überzeugt von seiner höchstpersönlichen Theorie teilt er der staunenden Fachwelt mit:


  The higher order moments .. might .. be thought of to be important too in the non-gaussian case. Surprisingly, this turns out not to be the case as will be demonstrated now.“

Nach seiner “Surprise“-Ankündigung und einer seitenlangen, vollkommen falschen Abhandlung kommt Prof. Meyr in seinem Buch zur Schlussfolgerung (S. 346):


  We thus have shown that the diffusion approximation applies as [the noise process] n(t) approaches a white (not necessarily gaussian) process. The intensity coefficients are identical to those of the white gaussian process.“

Und weiter:
„... the diffusion approximation becomes independent of the amplitude distribution as n(t) approaches white noise“ (S. 346). „... we thus may replace the actual process n(t) by a gaussian process z(t) with the same spectral density at the origin“ (S. 347).

Zu einem ernsthaften Hinterfragen seiner höchstpersönlichen Theorie kam es vor der Veröffentlichung des Buches mit dem zitierten Unsinn offenbar nicht mehr („Chapter 9 Riddled with Very Serious Misconceptions“, Review bei Amazon).

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The Father of Inverse Systems
   ©Tayfun Akgül

Prof. Meyr ist also öffentlich der Auffassung, die F-P Methode sei nicht nur auf Diffusionsprozesse sondern generell auf Markov Prozesse anwendbar. Prof. Meyr würde genau einen solchen fundamentalen Nachweis dringend benötigen, um die Gültigkeit seiner eigenen Dissertation und sich daran anschließender zahlreicher Veröffentlichungen (u.a. beim IEEE: Institute of Electrical Engineering and Electronics) noch im nachhinein zu beweisen (Ketteneffekt von Publikationen, die aufeinander Bezug nehmen). In seiner festen Überzeugung und wohl einer Euphorie, mit seinem Rebuttal in diesem Sinn nun endlich den Durchbruch erzielt zu haben, verfasst er dann sein dubioses Schreiben an Popkens Arbeitgeber (Teil IV, 8. November) und übernimmt die falschen Ausführungen obendrein auch noch in sein oben zitiertes Buch.

Zitat aus der ausleihbaren Doktorarbeit des Prof. Meyr, Diss. ETH-5223 (27.6MB):


  Die Dichtefunktion p(Φ;t) kann durch Lösen der F-P Gleichung gefunden werden, vorausgesetzt wir können zeigen, dass Φ(t) ein Markov Prozess ist. Falls n(t,Φ) eine weisser Rauschprozess wäre, wäre dies der Fall.“

Auf dieser fundamentalen Aussage baut Prof. Meyr seine eigene Dissertation auf. Die zitierte Aussage ist allerdings vollkommen unbegründet. Tatsächlich sind nämlich die sehr viel komplexere Kinetische Gleichung oder Kramers-Moyal Entwicklung anwendbar auf Markov Prozesse. In der Fachwelt der Physik und Stochastik ist seit Jahrzehnten sehr wohl bekannt, dass die F-P Methode sehr viel restriktiver nur auf Diffusionsprozesse (continuous Markov processes) anwendbar ist und ggfs. auch auf physikalische Prozesse, für welche allerdings in jedem Einzelfall nachzuweisen wäre, ob sie formal durch Diffusionsprozesse hinreichend und für die gegebene Problemstellung approximierbar sind. Prof. Meyr unterscheidet in seiner Dissertation und auch in seinem oben zitierten Buch in gar keiner Weise zwischen Markov Prozessen und Diffusionsprozessen. Prof. H. Weber (ehemals Titularprof. für Fernmeldetechnik) und Prof. Dr. E. Baumann (ehemals Leiter eines Instituts für technische Physik) waren der Referent respektive Korreferent, auf deren Antrag die Doktorarbeit des Prof. Meyr an der ETH Zürich angenommen worden war.

höchstpersönliche Theorie

Der selbsternannte Fokker-Planck Experte.                    ©Tayfun Akgül       

Das dokumentierte, gravierend falsche Verständnis der Voraussetzungen und Grundannahmen der F-P Methode (bereits in der Dissertation) bleibt offenbar auch im Zuge des Berufungsverfahrens für Prof. Meyr an der RWTH vollkommen unerkannt. Die Fakultät und der Berufungsausschuss an der Ingenieur-Fakultät für Elektrotechnik an der RWTH waren offenbar fachlich vollkommen überfordert, die hier relevante Thematik aus der Stochastik und insbesondere die Aussagen zu Grundlagen in den Arbeiten des Prof. Meyr auch nur ansatzweise auf Gültigkeit zu beurteilen. Diese thematische Inkompetenz der Fakultät im Hinblick auf die Arbeiten des Prof. Meyr wurde seitens der Fakultät schriftlich bestätigt (Teil IV, 21. November), indem sie aus fachlichen Gesichtspunkten selbst einräumt: „Eine Alternative zu Herrn Prof. Meyr bestand diesbezüglich nicht.“ Damit wird der Verbreitung dieses fachlichen Unfugs zu den Grundlagen und der Anwendbarkeit einer gesamten Theorie in Lehre und der offenen Fachliteratur, speziell der Nachrichtentechnik, keinerlei Einhalt mehr geboten.

Es ist Prof. Meyr selbst, der in seinem oben zitierten Buch (S. 347, 362) und in seinem Rebuttal als Anlage seines Schreibens an Popkens Arbeitgeber (Teil IV, 8. November) sich auf Arbeiten des Prof. Dr. N.G. van Kampen, Univ. Utrecht, bezieht („Langevin-Like Equation with Colored Noise“, Journal of Statistical Physics, Vol. 54, Nos. 5/6), und er behauptet:


  The independence of the amplitude distrubution is explicitly stated in standard textbooks ... The mathematically interested reader will already be familiar with the recent and very readable paper by van Kampen“. (Prof. Meyr)

Tatsächlich ist es aber insbesondere Prof. van Kampen, der mit seinem Schreiben (Teil VI, 29. April) die Interpretationen und das Verständnis des Prof. Meyr zu den Grundlagen der F-P Methode und deren Anwendung als fundamental falsch erkennen läßt und feststellt: „Einige Anführungen [Zitate] .. lassen deutlich erkennen, dass dort oft die Autorität nach vorne gebracht wird statt eines guten Arguments.“ Die Widersprüche des Prof. Meyr sind also grotesk und kaum noch deutlicher dokumentierbar. Die Konsequenz ist ein frappierendes Ausmaß an durch Prof. Meyr zu verantwortender Konfusion in der offenen Fachliteratur.

Eklatante fachliche Inkompetenz bzgl. der elementaren Grundlagen der etablierten F-P Methode wird damit öffentlich und eindrucksvoll dokumentiert durch (1) das Kapitel 9 des Buches „Synchronization in Digital Communications“, Wiley-Interscience; (2) das Schreiben des Prof. Meyr vom 8. November (Teil IV) nebst Rebuttal; (3) die Publikation „Delay lock tracking of stochastic signals,“ IEEE Trans. Comm., vol. COM-24, no. 3. Es ist grotesk, dass diese Veröffentlichung mit einem IEEE Communication Theory Award ausgezeichnet wurde. Resultate in dieser Publikation basieren auf folgender Kernaussage:


  The statistcs of the process Φ(t) can be determined from the F-P equation provided that we can justify the condition that Φ is approximately Markov. Stratonovitch shows in [..] that an approximate F-P equation can be obtained if the correlation time of the noise process is much shorter than that of Φ(t). No assumption is made on the amplitude distribution, i.e. n(t;Φ) need not be Gaussian. This is important in this paper since n(t;Φ) is clearly non-Gaussian.“ (Prof. Meyr)

Diese zitierte Aussage ist allerdings vollkommen unbegründet; niemals beabsichtigte Stratonovich, einen entsprechenden Beweis zu führen. Spätere Veröffentlichungen auch anderer Autoren beziehen sich auf obiges Zitat des Prof. Meyr und nehmen seine Aussage fälschlicherweise als korrekt an. Dieser Ketteneffekt wird von Prof. Meyr selbst in seinem Schreiben an Popkens Arbeitgeber (Teil IV, 8. November) bestätigt.

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Collage

Collage aus Prof. Meyrs „höchstpersönlichen Beurteilungsspielräumen“ und Pseudo-Theorien.

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Mit dem dokumentierten abstrusen Verständnis der Grundannahmen der F-P Methode macht Prof. Meyr sich also daran, Popkens Dissertation mit einer Anwendung eben dieser Methode nicht nur zu beurteilen sondern mit Hauptgutachten auch noch abzulehnen. Zuvor stellt Prof. Meyr allerdings sicher, dieselbe Arbeit im Rahmen seiner eigenen Interessen in außerordentlichem Umfang genutzt zu haben (z.B. Beratertätigkeit; Konferenzbesuche; Veröffentlichungen) und darüberhinaus dieselbe Arbeit als Abschlussbericht bei der DFG einzureichen, die das ganze Forschungsvorhaben doch immerhin finanzierte. Ebenso stellt er sicher, Ergebnisse aus der abgelehnten Dissertation in sein eigenes, oben zitiertes Buch „Synchronization in Digital Communications“, Wiley-Interscience, einzuarbeiten (Kapitel 6); das Buch enthält im Kapitel 4 weitere Resultate des „unfähigen Kandidaten“ mit der „badly questioned technical competence“ (Schreiben des Prof. Meyr, 8. November, (Teil IV)).

Im Zuge des Widerspruchsverfahrens mit den fachlichen Beweisen räumt Prof. Meyr ein, dass sein Gutachten „ein 100-prozentiger Irrtum ist“ (Teil IV, 30. August); er sei aber nicht bereit, dieses gegenüber der Fakultät oder dem Rektorat der RWTH auch schriftlich einzuräumen.

Das Gutachten des Prof. Meyr belegt eindrucksvoll, dass es durch ihn keinerlei Betreuung oder wissenschaftliche Anleitung gab zur Begründung des Verfahrens wie vorgestellt in der Dissertation und in dem von ihm selbst als Forschungsleiter bei der DFG eingereichten Abschlussbericht.

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